Statik

Das VST System ist eine Ortbeton-Massivbauweise unter Nutzung einer fabriksmäßig vorgefertigten, verlorenen Schalung.
Das System ist daher invariant hinsichtlich angewendeter Berechnungs-Normung, weil der komplette Betoniervorgang vor Ort erfolgt und nur die Betonstruktur im Objekt die tragenden Funktionen übernimmt. Es ist daher eine Berechnung und Bemessung eines Ortbetonbaus durchzuführen.

Durch die fabriksmäßige Vorfertigung gilt es nur die Schnittstellen zwischen werk- und bauseitiger Bewehrung zu beachten - welche in Summe natürlich 100% der einzubauenden Bewehrung zu ergeben hat. Wenn man die Schnittstelle zwischen Werk und Baustelle kohärent betrachtet, dann gilt es folgende Gesichtspunkte im Besondern zu beurteilen und die eigenen Entscheidungen und Anweisungen (in Klapp- und Bewehrungsplänen) gegen diese Grundsätze zu prüfen (Richtigkeit der Statik vorausgesetzt):

  • Grundsatz der Produzierbarkeit
    Es müssen alle Elemente und Bewehrungsführungen so ausgeführt werden, sodass eine mögliche und sinnvolle Produzierbarkeit gegeben ist (besonders Einhaltung der maximalen Abmessungen, ökonomischer Produktionsvorgang, technisch richtige Ausführung, etc.)
  • Grundsatz der Montierbarkeit
    Es müssen alle Elemente und Bewehrungsführungen so geplant und produziert werden, dass eine technisch mögliche, richtige und ökonomisch sinnvolle Montierbarkeit gegeben ist (vorsehen offener Ecken, Berücksichtigung von Anschlussbewehrung, etc.)

Die Ausführung von Gelenken findet im Betonbau nicht in jener Reinheit statt wie in anderen Bauweisen – etwa dem Stahlbau. Die konstruktive Durchbildung von Betonbauknoten wird wegen Verwendung von Anschlussbewehrung zumeist eine gewisse Rotationssteifigkeit aufweisen. Diese wird im Allgemeinen rechnerisch nicht erfasst und stellt somit eine Systemreserve dar. Hiermit wird auch auf die aktuelle Normung verwiesen, welche konstruktive Regeln vorsieht. Echte Einspannungen und biegesteife Rahmenknoten kommen in unserem Bereich nur für solche Systeme vor, in denen eben diese Systeme kinematisch unverschieblich sind und bleiben.

Für die planmäßige Ableitung von horizontalen Kräften zufolge Wind, seismischer oder dynamischer Belastung, Systemimperfektion oder außergewöhnlicher Belastung sollen nur durch gezielt gewählte Aussteifungselemente wie (komplett durchlaufende) Wandscheiben (Treppen- und Liftkerne, Schubwände, etc.) aufgenommen und sicher in die Gründung abgeleitet werden.

Hierzu ist eine Schar von Wänden in beiden Hauptrichtungen mit hinreichend großen Trägheitsmomenten notwendig. Dieses stellt im Allgemeinen im üblichen Hochbau kein Problem dar. Hingewiesen wird an dieser Stelle auf (mögliche) architekturbedingte Systemwechsel – und somit im Aufriss unterbrochenen Wandscheiben. Diese erweisen sich, im Falle der Nutzung, als alleinige Aussteifungselemente als nicht sinnvoll. Aufgrund der festigkeitstechnischen und mechanischen Verteilung der Kräfte zufolge der Steifigkeitsverhältnisse ihrer Aussteifungselemente nehmen lange Wände einen Großteil dieser Kräfte auf. Eine vollständige Aufteilung der Kräfte einschließlich Betrachtung sehr kurzer Elemente erscheint entbehrlich – ebenso die Einaddierung der Steifigkeiten normal zur Hauptrichtung (verschwindender Anteil). Abschließend sei eine Beurteilung der Spannungsniveaus zufolge Interaktion bzw. Superposition horizontaler Lasten und vertikaler Lasten (hier insbesondere der Anteil der Eigengewichte) empfohlen um eventuell auftretende Zugbelastungen zu identifizieren (klaffende Fuge). Wir konstruieren die Tragwerke fallweise unter Ausschluss von Zugkräften im Bereich der Auflagerkonstruktionen.